Die Geschichte der Zeche Erin Teil 3 (1926-1954)

Im Jahr 1926 ging die Gelsenkirchener Bergbau AG (GBAG) in den neuen Ruhrkonzern Vereinigte Stahlwerke  AG auf. Die deutsche Wirtschaft befand sich in einer Phase der Konsolidierung und des Aufschwungs. Eine der wichtigsten Aufgaben der Vereinigten Stahlwerke  AG war es, für ihre Zechen die Förderbeteiligungen im Rheinisch Westfälischen Kohlensyndikat zu erhöhen. Das Rheinisch Westfälischen Kohlensyndikat (RWKS) regelte zu der Zeit die Fördermengen der einzelnen Förderanlagen, um Überproduktionen und somit Preiskämpfe durch Unterbietungen im Kohlensektor zu vermeiden. Vergleichbar wäre diese Einrichtung mit der heutigen OPEC, die versucht weltweit die Rohölpreise durch Förderregulierung zu gestalten.

Die Fördererhöhung erfolgte durch das Niederbringen neuer Förderschächte (sog. Syndikatsschächte) nach dem Prinzip, dass jeder neuer Förderschacht die Fördermenge eines Bergwerkes erhöht. Somit konnte ein starker, kapitalkräftiger Konzern durch neue Förderschächte stetig seine Förderkapazitäten erhöhen und dadurch zunehmend preisregulierend auf dem gesamten Kohlenmarkt eingreifen.

Um die Förderkapazitäten für die Schachtanlage Erin zu erhöhen wurde Schacht 5 von einem Wetterschacht zu einem Förderschacht umfunktioniert und durch die scheinbare Förderung von Kohlen aus diesem Schacht wurde dem Bergwerk Erin eine höhere Förderquote durch das RWKS bewilligt.

Allerdings wurden auch seriöse Investitionen getätigt, um den Förderbetrieb von Erin zu modernisieren und die Mannschichtleistungen zu verbessern. Dazu wurden ab dem Jahr 1927 die Tagesanlagen umfänglich ausgebaut. Davon betroffen waren die Fördereinrichtungen der Schächte, die Kohlenaufbereitung und die Kokerei.

Zeche Tremonia
Schachtgerüst Teutoburgia 1 Seitenansicht

Im Jahre 1929 wurde die im Jahre 1925 stillgelegte Schachtanlage Teutoburgia 1/2 in Herne-Sodingen durch die Schachtanlage Erin übernommen. Im gleichen Jahr erfolgte auf der 2. Sohle (325 m) der untertägige Durchschlag beider Bergwerke.

Bald darauf wurde teilweise die Förderung aus dieser Berechtsame aufgenommen und so bis zum Jahre 1930 die Gesamtförderung auf 718.000 t Kohlen p/a gesteigert. Die gleichzeitige Abnahme der Belegschaft von 2.354 Bergleute auf 2.106 Bergleute innerhalb von fünf Jahren wies darauf hin, dass auch die eingeleiteten Rationalisierungsmaßnahmen gegriffen hatten. Hierzu zählten der untertägige Ausbau der Energieaggregate basierend auf Pressluft und Elektrizität. Auf dieser Basis war es großumfänglich möglich, alle Abbaureviere und die Fördereinrichtungen zu mechanisieren (Schüttelrutschen , Förderbänder, elektrische Fördermaschinen, elektrische oder pressluftgetriebene Grubenloks, etc.)

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Schachtgerüst Teutoburgia 1 Vorderansicht

Die Bergmannssiedlung Teutoburgia der Schachtanlage Teutoburgia 1/2 wurde damals als Gartenstadt konzipiert und konnte in großen Teilen bis heute im weitestgehend ursprünglichen Zustand erhalten werden. Sie bildet mit dem heute restaurierten Schachtgerüst und dem Schachthaus Teutoburgia 1 ein besonders wichtiges Denkmal des historischen Ruhrbergbaus.

Auch auf der Schachtanlage Erin 3 im Castroper Stadtteil Schwerin wurden in den 30er Jahre die alten Fördereinrichtungen abgerissen und durch eine moderne Turmförderanlage ersetzt. Die Turmförderanlage ist bis heute erhalten geblieben und denkmalgeschützt (Bild siehe im Teil 2). Ab dem Jahre 1937 wurde Erin 3 als Seilfahrtschacht für das Nordostfeld eingerichtet und auch die Schächte Teutoburgia 1/2 als Seilfahrt- bzw. Wetterschächte für das Grubenfeld Teutoburgia genutzt.

In den Kriegsjahren wurden die Bergwerke an der Ruhr als wichtige Energielieferanten für die Rüstungswirtschaft ohne jede Rücksicht auf Sicherheit und Nachhaltigkeit ausgebeutet, sodass im Rahmen der Kriegswirtschaft kurzfristig erhebliche Produktionssteigerungen erreicht wurden.

Auf der Zeche Erin erreichte die Förderung im Jahr 1940 dadurch 1.204.180 t Kohlen. In dieser Zeit wurde der Abbau im Feld Teutoburgia nach der Stilllegung im Jahre 1925 wieder komplett aufgenommen.

Zwar wurden auch im Krieg verschiedene Modernisierungsmaßnahmen auf dem Bergwerk Erin durchgeführt, aber die Zerstörungen durch die alliierten Bomben und durch den  kriegsbedingten Raubbau sowie das Fehlen gut ausgebildeter Bergleute unter Tage führte schließlich zu erheblichen Fördereinbußen.

In den letzten Kriegswochen kam es zu den schwersten Zerstörungen und die Förderung fiel zum Kriegsende auf 328.000 t Kohlen p/a zusammen.

Die Zeche wurde ab April 1945 zunächst von amerikanischen Truppen besetzt und schließlich unter die Kontrolle der britischen North German Cool Control (NGCC) gestellt.

Unter britischer Leitung nahm die Zeche Erin dann wieder ihren regulären Betrieb auf und Ende des Jahres 1945 wurde auf der Kokerei wieder der erste Koks gedrückt.

Im Jahre 1948 wurde auf dem Eselsberg in Obercastrop die Abteufarbeiten für den Wetterschacht Erin 6 im Südwestfeld an der Markscheidegrenze zur Zeche Lothringen wieder aufgenommen. Im Jahre 1951 kam der Schacht Erin 6 zunächst mit einer Teufe von nur 205 m als Wetterschacht in Betrieb. Im Jahre 1953 wurde der Schacht Erin 6 endgültig ausgebaut und erhielt neben der Grubenlüfteranlage ein Schachtturm mit kleiner elektrischer Förderanlage für die Schachtbefahrungen.

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Schacht Teutoburgia 1 von der Siedlung Teutoburgia aus fotografiert

Bereits im Jahre 1947 wurde ein Blindschacht zwischen der 4. und 5. Sohle aufgefahren, der in diesem Teilabschnitt dem zukünftigen Förderschacht 7 entsprach. In dem Blindschacht wurde die Hauptförderung zwischen der 4. und 5. Sohle eingerichtet. Ebenfalls wurde die Schachtanlage Teutoburgia 1/2 zur 5. Sohle tiefer geteuft.

Im Zuge der Verlagerung der Förderung von der 4. auf die 5. Sohle wurde im Jahre 1951 mit den Teufarbeiten für den Hauptförderschacht 7 begonnen. Schacht 7 wurde in unmittelbarer Nähe der Schächte 1/2/4 angesetzt. Schließlich erreichte der Schacht 7 im Jahre 1954 die neue 5. Sohle bei einer Teufe von 640 m und nahm auch im gleichen Jahr die komplette  Förderung der Schachtanlagen Erin auf. Die alten Förder- und Wetterschächte Erin 1/2 wurden in den darauf folgenden Jahren abgeworfen und verfüllt.

… weiter mit dem 4. und letzten Teil … demnächst hier

 

Quellenangaben:
(1) Joachim Huske, Die alten Steinkohlenzechen im Ruhrrevier, Bochum 1987, S. 259 und f.
(2) Hermann / Hermann. Die alten Zechen an der Ruhr, 5. Auflage Königstein 2003 S: 166 und f.
(3) de.wikipedia.org/wiki/Zeche_Erin vom 02.03.2016
* Alle Förderdaten und Belegschaftszahlen von Joachim Huske, Die alten Steinkohlenzechen im Ruhrrevier, Bochum 1987, S. 259 und f

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